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17.10.2011: Nabucco-Pipeline ungewiss

Rätselraten um die Zukunft der geplanten Nabucco-Pipeline. Nach mehreren Medienberichten der vergangenen Tage scheint das EU-Vorzeigeprojekt, das Gas von Aserbaidschan über die Türkei bis nach Österreich transportieren soll, auf der Kippe zu stehen. Während in der vergangenen Woche noch eine österreichische Wirtschaftsdelegation mit Bundespräsident Heinz Fischer an der Spitze gut Wetter in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku und in Turkmenistan, das ebenfalls Gas in die Nabucco-Pipeline einspeisen könnte, machte, jedoch ohne konkrete Lieferzusagen, aber mit gutem Gefühl zurückkam, mehrten sich ebenfalls mehrere zweifelnde Stimmen. EU-Energiekommissar Günther Öttinger hatte ebenfalls vergangene Woche erklärt, dass von erheblichen Kostensteigerungen bei Nabucco auszugehen sei, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Statt der veranschlagten 7,9 Milliarden Euro steht nun eine Summe von 10 bis 14 Milliarden im Raum. Und dann berichtete das Handelsblatt, dass auch deutsche Energieexperten das Projekt mittlerweile als unrealistisch einschätzen.

Denn es gibt durchaus ernstzunehmende Konkurrenz. Da ist zum einen das Projekt „Trans Adriatic Pipeline“ (TAP), das, anschließend an bestehende türkische Leitungen von Griechenland über Albanien bis nach Italien führen würde und kürzer, billiger und besser auf die aserbaidschanischen Quellen zugeschnitten wäre. Auch der boomende Markt von verflüssigtem Erdgas (LNG), das mit Tankschiffen transportiert wird, macht der teuren Pipeline-Variante zunehmend zu schaffen. Und dann ist da noch Russland, das mit Nabucco umgangen werden soll, in den ehemaligen Sowjetrepubliken jedoch immer noch über erheblichen Einfluß verfügt. Moskau ist mit seinem Projekt South Stream, einer unterseeischen Pipeline durch das schwarze Meer, ebenfalls noch aussichtsreich im Rennen und kann mit der bereits teilweise in Betrieb gegangenen North Stream-Ostsee-Pipeline ein gute Referenzprojekt vorweisen.

Die Würfel fallen in den nächsten Wochen und Monaten. Anfang Oktober wurden die Gebote bei den Aserbaidschanern abgegeben. Aserbaidschans Präsident Aliyev hält sich noch bedeckt. Aserbaidschan sei an einem diversifizierten Verkauf seiner Gasreserven interessiert, wird Aliyev in der Wiener Zeitung zitiert. Letzendlich entscheidend werden aber wohl die kommerziellen Bedingungen sein.


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